Die Geschichte der BEG-Lok III bei der Nassauischen Kleinbahn AG

Wer sich für Schmalspurbahnen interessiert, hat seine besonderen Lieblinge.  Bei mir ist das neben der Brohltalbahn, meine “Hausstrecke”, die Nassauische Kleinbahn AG. Auch wenn jetzt in Braubach das letzte Stück Rillenschiene aus dem  Straßenbelag entfernt wurde, künden noch die Bahnhofsgebäude von Miehlen, Nastätten, St.Goarshausen und Zollhaus, sowie kilometerlange Bahndämme von einem der größten und landschaftlich schönsten Schmalspurnetz Westdeutschlands (fast 80km Streckennetz) .Das verbindende Element der Brohltalbahn und der Nassauischen Kleinbahn AG war die größte Schmalspurdampflok die nach dem Krieg in Westdeutschland gebaut wurde: Eine Eh2t Lok mit der Fabriknummer 11 502 der Firma Jung aus Jungenthal (heute Ortsteil von Kirchen/Sieg) Diese Heißdampflok, die der Nassauischen Kleinbahn mit der Nr. 15 und der Brohltalbahn mit der Nr. III diente, war in ihrem Baujahr (1951) wohl die modernste Schmalspurdampflok auf deutschen Schienen. Sie wurde streng nach den Vorgaben der Nassauischen Kleinbahn AG gebaut.  Heißdampfbetrieb war ebenso selbstverständlich, wie Luftdruckbremse und Turbobeleuchtung. Das Beugniot-Fahrgestell verhalf ihr zu einer guten kurvenläufigkeit (60m Radius), die 5 Kuppelachsen zu einer Achsenlast von nur 10 Tonnen. Die Zugkraft betrug bei 15km/h und 40% Zylinderfüllung 9.500kg. Diese Werte schienen der NKAG (Kurzbezeichnung für Nassauische Kleinbahn AG) optimal für ihre Kalksteinzüge geeignet, die nacheinander über drei Steilrampen: Zollhaus-Allendorf (195m Höhenunterschied) / Katzenelnbogen-Berndroth (150 Höhenunterschied) und Nastätten-Bogel (125m Höhenunterschied) nach St.Goarshausen zum Rheinhafen geführt wurden.  Diese Güterzüge wurden bisher durch Dn2t-Lokomotiven der Bj.1912-1917 (von denen Mitte der 50er Jahre nur noch Lok13 und 14 betriebsfähig waren) gezogen und vor den Steigungen meist geteilt. Da die Verkehrspolitk der  NKAG von Anfang an darauf ausgerichtet war, alle Güter möglichst weit auf der eigenen Strecke zu transportieren, war die Tarifgestaltung sehr verzerrt. Die kurze Strecke von den Kalksteingruben nach Zollhaus zur Aartalbahn war kaum  billiger, wie die verhältnismäßig lange Strecke zum Rhein. Zum Beispiel verlangte die NKAG zeitweise 9,-MK für 10 Tonnen von Hohlenfels nach Zollhaus (4km), jedoch nur 10,-MK für 10 Tonnen von Hohlenfels nach St.Goarshausen Rheinhafen (42km) Das brachte der Bahn natürlich von Anfang an viel Ärger mit ihren Kunden ein. Die neue Lok sollte helfen die Frachtkosten zum Rhein zu senken um die Tarife zu halten. Ein Lokschuppen in Nastätten mußte extra  angebaut werden, um die Lok unterbringen zu können. Doch der durch Krieg und mangelnde Instandsetzung geschädigte Oberbau zeigte sich den Belastungen durch die Lok 15 nicht gewachsen. Sie war nur sehr beschränkt einsatzfähig und von ihrer Abnahme am 28.02.1952 bis zu ihrem Einsatz bei der Brohltalbahn am 05.04.1957 insgesammt 866 Tage kalt abgestellt. Der Gymnasiallehrer Hans Renker ein gebürtiger St.Goarshausener und intimer Kenner der Nassauischen  Kleinbahn, gibt bei Diavorträgen auch seine erste Begegnung mit der Lok 15 wieder. Kleinbahner scherzten mit dem Jungen: “Die hat dat Christkindsche gebracht”, als die neue glänzende Lok mit Tannengrün geschmückt, durch den kurzen Hasenbachtunnel donnerte.  Über den Grund des Lokverkaufs an die Brohltaleisenbahn gibt es viele Spekulationen. Tatsache ist, das mit dem Abbruch der Strecke Nastätten-St.Goarshausen im Oktober 1957 keine beladenen Züge mehr bergauf gezogen werden mußten. Für die Talfahrt der Kalksteinzüge von Hohlenfels und Mudershausen nach Zollhaus reichten die beiden verbliebenen D-Kuppler aus, die mit der Strecke wohl weniger Probleme hatten. Tatsache ist, das die Brohltalbahn von der NKAG einige Kübelaufsätze für Güterwagen kaufen wollte. Die Brohltaler entdeckten dann im Nastätter Schuppen eine Lok, die wie maßgeschneidert für ihre Steilstrecke erschien Bei der Brohltalbahn wurde die nun als Lok III umbenannte Heißdampflok sehr erfolgreich eingesetzt. Sie blieb bis zum Ende des Dampfzeitalters in Brohl und wurde hauptsächlich auf der Steilstrecke Oberzissen - Engeln eingesetzt, für die nur wenige Dampfloks der BEG zugelassen waren. Lok II (Mallet C’Ch4vt) war zum Beispiel steilstreckentauglich, bei nassen Schienen schleuderte jedoch ihr vorderes Triebwerk, so daß oft schon in Burgbrohl die Sanddome leer waren. Das Jahresende 1965 brachte die Umstellung der Strecke auf Dieselbetrieb. Lok IV wurde ausgemustert, die Loks III und 11SM zu Reserveloks degradiert. Im Oktober 1966 wurde Lok III auf Grund ihrer kürzeren Kesselfrist abgemeldet und  bald darauf verschrottet.  In den Unterlagen der BEG wurde besonders ihr sparsamer Kohlenverbrauch gelobt. Zum Vergleich: (Lok I (eh2t)= 14,4 kg/km, Lok II (C’Ch4vt) = 14,8 kg/km, Lok III (eh2t) = 12,2 später 11,0 kg/km) 

 

Hier ein kurzer Vergleich:

 

Lok III (NKAG 15II)

11SM  Brohltalbahn

Neubaulok  HSB

Achsfolge

Eh2t

BBn4Vt

1E1h2t

Dienstgew,

50t

48t

65t

LüP

11,3m

9,98m

11,73m

V max

45 kmh

30 kmh

40 kmh

Verdampfungsfl.

77,27 qm

80 qm

95,5 qm

Überhitzerfläche

34,3 qm

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30 qm